Seniorin und Pflegeperson betrachten Fieberthermometer

Eine gute Krankenbeobachtung sichert rechtzeitige Behandlung

Die meisten Krankheiten oder Verschlechterungen bestehender Krankheiten kündigen sich durch Symptome an. Diese frühzeitig zu erkennen und dem Arzt mitzuteilen, ist eine bedeutende Aufgabe. Mit etwas Basiswissen kann sie auch von nicht professionell Pflegenden wahrgenommen werden.

von  der Redaktion "Zuhause pflegen"

Einige Symptome sind allgemeiner Natur wie Schmerzen, Appetitlosigkeit oder Missstimmungen. Andere wiederum weisen eindeutig auf Krankheitsprozesse und deren Verschlechterung hin, so z. B. Fieber, die verschiedensten Hautveränderungen, Wasseransammlungen oder Blutbeimengungen im Stuhl oder Urin. Für den Kranken, der oftmals zu einer „Selbstbeobachtung“ nicht mehr in der Lage ist, kann es unter Umständen von lebensentscheidender Bedeutung sein, wenn der Pflegende die Symptome wahrnimmt und seine Beobachtungen umgehend dem Arzt mitteilt.

Seniorin liegt in Bett und Partner streichelt ihren Kopf

Hinweis: Niemals sollten Sie versuchen, ein Symptom selbst zu beurteilen und es als „harmlos“ einzustufen. Denn es ist gar nicht so selten, dass scheinbar nebensächliche Anzeichen für den Arzt zur Beurteilung des Zustandes und zur Diagnosefindung wichtiger sind als etwa Symptome, die den Laien stark beunruhigen.

Ein in der Wahrnehmung von Symptomen nicht Geübter wird in der Regel nur solche Symptome erkennen, die er sehen kann. Dies sind vor allem Anzeichen der Haut und Körperausscheidungen wie Urin und Stuhl, aber auch Erbrochenes und ausgehusteter Auswurf (Sputum). Da aber gerade die sichtbaren Anzeichen besonders „aussagekräftig“ sind, kann auch der pflegende Laie eine wertvolle Krankenbeobachtung leisten kann. Gute Gelegenheiten für eine unauffällige, den Kranken nicht belastende Beobachtung, sind dabei die tägliche Körperpflege bzw. die Intimtoilette, beispielsweise bei der Inkontinenzversorgung.

Was die Körperausscheidungen alles „verraten“ können

Wenngleich es den meisten Menschen natürlicherweise Überwindung kostet und auch Ekelgefühle hervorruft, mit den Körperausscheidungen anderer umzugehen und sie nach Form, Farbe, Menge und auf eventuelle Beimengungen hin zu beurteilen, so können doch gerade diese Beobachtungen und die Meldung an den Arzt für den Kranken und sein weiteres Schicksal von erheblicher Bedeutung sein.

Krankenbeobachtung: Urin (auch Harn genannt)

Harnbildung und Harnausscheidung sind für den Organismus lebenswichtige Vorgänge, die folgenden Zwecken dienen: der Absonderung der sog. „harnpflichtigen“ Stoffe aus dem Blut (das sind Endprodukte aus den Stoffwechselvorgängen, die vom Körper nicht mehr gebraucht werden bzw. für ihn schädlich sind), der Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes sowie der Sicherung des Säure-Basen-Gleichgewichtes im Organismus.

Abbildung von Urinproben

Die Menge des gebildeten Harns ist naturgemäß von verschiedenen Faktoren abhängig. So z. B. von der Durchblutung der Niere, von der aufgenommenen Flüssigkeitsmenge und davon, wieviel Flüssigkeit über den Schweiß durch die Haut, über Wasserdampf durch die Lungen und über den Wasseranteil im Stuhl ausgeschieden wird. Etwa zwei Drittel der aufgenommenen Flüssigkeit – einschließlich der Flüssigkeit in der Nahrung – wird direkt als Urin ausgeschieden. Als Mittelwert gilt beim Erwachsenen eine Urinmenge von 1,0 bis 1,5 Liter pro Tag.

Die Harnentleerung (Wasserlassen) wird als Miktion bezeichnet. Ein gesunder Erwachsener wird  bei einer durchschnittlichen Harnproduktion innerhalb von 24 Stunden vier bis sechs Mal Wasserlassen. Im Alter ist das Blasenfüllvermögen allerdings deutlich reduziert, was häufigere Miktionen zur Folge hat. Die Farbe des Urins ist hell- bis dunkelgelb (mit zunehmender Trinkmenge wird die Urinfarbe heller und klarer), der Geruch ist unauffällig und der Urin enthält keine Beimengungen. Dies sind die ungefähren Werte, an denen sich Abweichungen beurteilen lassen.

Abweichungen und Veränderungen im Urin

 Störungen der Urinproduktion
 Polyurie

vermehrte Urinproduktion, > 3000 ml / 24 Std., häufig bei Diabetes mellitus

 Oligurie verminderte Urinproduktion, 100 - 500 ml / 24 Std., Ursachen sofort abklären
 Anurie fehlende oder auf maximal 100 ml / 24 Std. verminderte Harnausscheidung, ist urologischer Notfall
 Blasenentleerungsstörungen
 Restharnbildung Blase kann nicht vollständig entleert werden

 Harnverhalt Unfähigkeit, die gefüllte Blase zu entleeren, Urin staut sich in der Blase
 Pollakisurie häufiges Wasserlassen kleiner Mengen
 Enuresis (nocturna) (nächtliches) Einnässen
 Algurie schmerzhaftes Wasserlassen
 Dysurie unangenehme, erschwerte oder schmerzhafte Blasenentleerung
 Störungen des Blasenentleerungszeitpunktes
 Nykturie vermehrtes nächtliches Wasserlassen
 Krankhafte Veränderungen des Urins
 Hämaturie rote Blutkörperchen (Blut) im Harn
 Leukozyturie weiße Blutkörperchen im Harn
 Pyurie Eiter im Harn
 Bakteriurie Bakterien im Harn
 Proteinurie Ausscheidung von Eiweiß


Krankenbeobachtung: Stuhl

Ältere Dame mit Bauchkrämpfen

Nicht verwertbare Nahrungsteile werden aus dem Dünndarm in den Dickdarm (Kolon) transportiert, wo Darmbakterien dann den weiteren Abbau übernehmen. Zugleich wird dem Nahrungsbrei Wasser entzogen. Der Darminhalt wird dann zum Mastdarm (Rektum) befördert und schließlich über nervliche Steuerungen ausgeschieden. Volumen und Beschaffenheit des Stuhls hängen dabei von der Menge des verbliebenen Wasseranteils sowie dem Anteil an unverdaulichen Ballaststoffen ab. Je länger der Stuhl im Dickdarm bleibt, desto fester wird er.

Normaler Stuhl ist in der Beschaffenheit weich, aber gut geformt. Die Häufigkeit der Darmentleerung gilt mit ein- bis zweimal täglich oder mindestens jeden zweiten Tag als normal. Die Menge des Stuhls ergibt sich durch die aufgenommene Nahrung.

Die Farbe des Stuhls kann durch die aufgenommene Nahrung verändert sein, aber auch durch krankhafte Veränderungen im Verdauungssystem. Bei einer Beurteilung muss deshalb immer berücksichtigt werden, was der Patient gegessen hat. Krankhafte Farbveränderungen sind z. B. lehmartiger Stuhl bei Leber- und Gallenleiden oder der typische teerfarbige Stuhl bei Blutungen im Bereich des Verdauungstraktes. Für den Laien leichter zu beurteilende Hinweise geben jedoch die Beschaffenheit (Konsistenz) des Stuhls sowie eventuell sichtbare Beimengungen.
  • Bei Durchfall (Diarrhö) ist der Stuhl wässrig-breiig und wird häufig entleert, weil der Vorgang der Stuhleindickung gestört ist, beispielsweise durch entzündliche Erkrankungen der Darmschleimhaut, durch unzureichende Kauleistung, Mangel an Verdauungssäften, aber auch durch Medikamente oder psychische Faktoren wie Angst oder Nervosität. Wenn Durchfall in Verbindung mit Fieber, Erbrechen oder Beimengungen von Schleim und Blut auftritt, ist immer der Arzt aufzusuchen.
  • Als Verstopfung oder Obstipation wird eine erschwerte, unvollständige oder zu seltene Stuhlentleerung (unter drei Stuhlausscheidungen pro Woche) bezeichnet. Eine Verstopfung kann die Lebensqualität des Betroffenen stark beeinträchtigen. Durch die Darmträgheit kommt es zu Völlegefühl und aufgeblähtem Bauch. Die Stuhlentleerung ist schmerzhaft, der Kot kann nur durch starkes Pressen in kleinen Portionen ausgeschieden werden.

Krankenbeobachtung: Erbrechen

Senior kurz vor dem Erbrechen

Erbrechen wird durch Zusammenziehen (Kontraktionen) von Speiseröhren-, Magen-, Bauch- und Zwerchfellmuskulatur bewirkt, wodurch der Mageninhalt ausgestoßen wird. Dem Erbrechen geht ein Brechreiz voraus, häufig verbunden mit Übelkeit, vermehrter Speichelabsonderung und verlangsamter Atmung.

Erbrechen kann zerebral (das Gehirn betreffend) auftreten, z. B. bei Schädel-Hirn-Verletzungen, Gehirnblutungen, bei Migräne oder bei Reizungen durch Bakteriengifte, chemische Giftstoffe oder auch Alkohol. Das zerebrale Erbrechen tritt unabhängig von eingenommenen Mahlzeiten auf. Für Erbrechen, bei denen das Brechzentrum indirekt gereizt wird (peripheres Erbrechen) können die Ursachen in einer Vielzahl von Magen-Darm-Erkrankungen liegen. Es kann aber auch durch emotionale Faktoren wie Ekel, Angst oder Nervosität ausgelöst werden.

Beim Erbrechen des Kranken ist festzuhalten, wann er erbricht (Zeitabstand zur letzten Mahlzeit), wie er erbricht (würgend oder schlagartig im Schwall), wie häufig er erbricht und welche Beimengungen sichtbar werden (Blut, Speichel, Schleim, Galle).

Krankenbeobachtung: Auswurf

Der Atemtrakt des Menschen ist mit einem besonderen „Reinigungssystem“ ausgestattet, das aus speziellen, Schleim und Flüssigkeit produzierenden Zellen sowie dem sog. „Flimmerepithel“ (oberste Zellschicht mit Flimmerhärchen) besteht. Damit wird gewährleistet, dass die Lunge so weit wie möglich sauber bleibt und die feinen und feinsten Lungengefäße sich nicht verstopfen. Denn sonst würden die lebensnotwendige Aufnahme von Sauerstoff und die Abatmung von Kohlendioxid behindert werden.

Durch diesen Reinigungsvorgang fällt also auch beim gesunden Menschen je nach Umweltbelastung, eine gewisse Menge an Bronchialschleim an. Erst wenn das Sekret durch Erkrankungen vermehrt auftritt, wird es als Auswurf oder Sputum bezeichnet. Leidet der Pflegebedürftige an Bronchitis, Bronchialasthma oder einer Lungenentzündung, fällt die zähflüssige Beschaffenheit des Sputums auf. Dünnflüssiges, hellrotes und schaumiges Sputum deutet auf ein Lungenödem hin. Blut enthält das Sputum aber auch bei Lungenblutungen, Lungentuberkulose oder Lungenkrebs. Beimengungen von Eiter sind bei Abszessen der Lunge zu finden.

Werden Veränderungen sichtbar, ist das Sputum aufzubewahren und umgehend dem Arzt zu zeigen. Aus pflegerischer Sicht muss der Kranke dazu angehalten werden, das Sputum abzuhusten und nicht zu schlucken. Zum Auffangen ist die Benutzung von Einmalbechern zu empfehlen, die hygienisch entsorgt werden können.