Folge von Durchblutungs-
störungen: das arterielle Ulkus

Ursache für ein arterielles Ulkus, lat. „Ulcus cruris arteriosum“, ist ein Verschluss der Beinartieren durch zunehmende Verkalkung. Es kommt zu Durchblutungsstörungen, die zur Entwicklung höchst gefährlicher Geschwüre führen können. Bei nicht rechtzeitigem Eingreifen sind Amputationen nicht selten.

von  der Redaktion "Zuhause pflegen"
Arteriosklerose
Die grafische Darstellung einer Arterie zeigt die Verengung durch die arteriosklerotischen Plaques.
Im Gegensatz zu einem venösen Ulkus, das als Folge von Venenleiden entsteht, sind bei einem arteriellen Ulkus verkalkte Arterien durch Arteriosklerose die Wurzel allen Übels. Der Begriff Arteriosklerose (umgangssprachlich auch als Arterienverkalkung bezeichnet) bedeutet soviel wie eine Verhärtung (Sklerose) des Bindegewebes der Schlagader (= Arterie). Im Mittelpunkt der Entwicklung einer Arteriosklerose, steht die Bildung arteriosklerotischer Plaques: Wird die Innenwand einer Arterie verletzt, beispielsweise durch ständig zu hohen Blutdruck, muss diese Stelle durch die verschiedenen Blut- und Gewebezellen repariert werden. Die Reparaturstelle in der Innenwand aber behindert den Blutfluss, sodass sich im Blut transportierte Substanzen wie Blutfette (Cholesterin) und in geringen Mengen Kalk daran anlagern. Diese bauen sich in sog. Plaques um, die die Arterien zunehmend einengen und verschließen.

Was passiert bei einem Verschluss der Beinarterien?

Prinzipiell kann sich eine Arteriosklerose in allen Arterien des Körpers entwickeln. Bevorzugt entsteht sie aber in bestimmten Gefäßregionen: an der Halsschlagader, an den Herzkranzgefäßen und in den Becken- oder Beinarterien. Betrifft sie die Herzkranzgefäße führt dies zur Herzinsuffizienz mit dem hohen Risiko eines Herzinfarktes. Eine Verkalkung der Halsschlagader und der hirnversorgenden Gefäße kann einen Schlaganfall auslösen. Verengungen und Verschlüsse der Becken- und Beinartieren haben eine sogenannte periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) zur Folge.

In der Medizin werden die direkt an den Rumpf anschließenden Extremitäten wie Arme und Beine als „peripher“ bezeichnet. Folglich handelt es sich bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit um eine Durchblutungsstörung vor allem der Beine.

Der Arterienverschluss findet häufig im Oberschenkelbereich statt, mit der Folge oft schwerer Durchblutungsstörungen. Dann ist es bis zur Entstehung eines Ulkus nicht mehr weit. Typische Stellen für eine Ulkusentwicklung sind Bereiche, wo beim Gehen oder Stehen erhöhte Druckkräfte einwirken wie beispielsweise auf Zehen, Fersen, Fußballen oder die vordere Schienbeinkante. Durch die schlechte Durchblutung können sich aber auch Bagatellverletzungen beispielsweise durch Stoß oder unsachgemäße Fußpflege rasch zu einem bedrohlichen Ulkus ausweiten. Das berüchtigte „Raucherbein“ ist übrigens auch eine Folge der pAVK.

Arterienverschluss und Ulkusbildung rechtzeitig erkennen

Wie fast alle Gefäßleiden, entwickelt sich auch die Arteriosklerose mit der Folge von Gefäßverschlüssen über lange Zeit unauffällig und verursacht keine größeren Beschwerden. Dennoch gibt es einige deutliche Anzeichen, die auf den fortschreitenden Krankheitsprozess hinweisen:

  • Wie kaum bei anderen Gefäßerkrankungen spielen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette (Cholesterin), Rauchen, zu viel Alkohol und Diabetes mellitus, aber auch Übergewicht, Bewegungsarmut und Stress bei der Krankheitsentwicklung eine sehr unheilvolle Rolle. Treffen gar mehrere dieser Risikofaktoren zusammen, wird dringend ärztliche Betreuung und Überwachung angeraten.
  • Wichtiger Hinweis: Keine noch so gute Behandlung kann Erfolg haben, wenn der Patient nicht selbst mitarbeitet. Dazu gehört beispielsweise eine gewissenhafte Einnahme der vom Arzt verordneten Medikamente, etwa zum Bluthochdruck oder Zucker senken, das Rauchen aufzugeben, den Alkoholkonsum zu reduzieren, Übergewicht abzubauen und sich mehr zu bewegen. Auch wenn einmal entstandene Schäden nicht mehr rückgängig zu machen sind, reduziert dieses „Selbstmanagement“ die auftretenden Beschwerden und kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
  • Ein weiteres Anzeichen für eine fortgeschrittene pAVK sind Schmerzen beim Gehen. Sie werden durch den Sauerstoffmangel im Muskelgewebe verursacht, der durch die zunehmende Mangeldurchblutung entsteht. Der Schmerz verschwindet beim Stehen bzw. nach einer Ruhepause, weshalb dieses Symptom im Volksmund als „Schaufensterkrankheit“ bekannt ist: Betroffene warten das Verschwinden des Schmerzes vor Schaufenstern ab.
  • Wie schwer der Verschluss der Beinarterien bereits ist, wird nach dem französischen Arzt René Fontaine in vier verschiedene Stadien eingeteilt. Die Kenntnis dieser Einteilung kann dem Betroffenen dabei helfen, seine Beschwerden besser zu beurteilen und rechtzeitig den Arzt aufzusuchen.
  • Auch eine beginnende Ulkusbildung lässt sich frühzeitig erkennen. Noch bevor es zum arteriellen Ulkus kommt, können bei der Fußinspektion erste Anzeichen für die immer stärker werdende Durchblutungsstörung auffallen: in ihrem Wachstum gestörte Fußnägel, Pilzinfektionen, Rötungen und Marmorierungen der Haut sowie ein Verlust der Beinbehaarung.
Durchblutungsstörungen
Wenn Füße so starke Rötungen und Marmorierungen aufweisen, dann handelt es sich bereits um erhebliche Durchblutungsstörungen.
Angiopathischer Fuß
Das Ulkus entwickelte sich bei einem Diabetiker durch einen Oberschenkelverschluss. Deutlich sind die veränderten Fußnägel zu erkennen
Zehennekrose
Bei arteriellen Ulzera sind bei einem Gefäßverschluss die Zehen durch ihre periphere Lage (am weitesten vom Herzen weg) in der Regel zuerst betroffen.
Verschluss der Beinarterien: die vier Stadien
Stadium I
symptomlos, evtl. leichte Ermüdbarkeit, zeitweilig können Kälte- und Taubheitsgefühle an den Füßen und Zehen auftreten.
Stadium IIa und IIb
Ab einer Gehstrecke von 200 Metern setzen Schmerzen ein, im Stadium IIb bereits unter 200 Metern. Durch die stark reduzierte Durchblutung und Sauerstoffversorgung kommt es zur „Schaufensterkrankheit“, die in der Fachsprache als „Claudicatio intermittens“ bezeichnet wird, was „unterbrochenes Hinken“ bedeutet.
Stadium III
Die Schmerzen treten jetzt auch in Ruhe auf und sind nachts besonders quälend.
Stadium IV
Es besteht Dauerschmerz. Die Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen sind als abgestorbene Hautareale, Ulkus und im schlimmsten Fall als Gangrän sichtbar.

Wie kann behandelt werden?

Weil bei einer Entwicklung einer Arteriosklerose und pAVK so viele verschiedene Ursachen und Risikofaktoren eine Rolle spielen, ist auch die Behandlung sehr komplex und erfordert oft das Zusammenwirken von Ärzten aus verschiedenen Fachrichtungen wie beispielsweise von Internisten, Diabetologen und Gefäßchirurgen.

Nach Sicherung der Diagnose und wenn man festgestellt hat, wo sich der Verschluss befindet, muss ein Therapieplan erstellt werden, der nach Möglichkeit alle Faktoren berücksichtigt, die die Krankheit begünstigen. Er beinhaltet:

  • Ausschaltung bzw. weitesgehende Reduzierung der Risikofaktoren, wobei das bereits erwähnte Selbstmanagement des Patienten von größter Wichtigkeit ist: Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin senken, Rauchen aufgeben, Übergewicht abbauen usw.
  • Behandlung von Begleiterkrankungen, beispielsweise eine bestmögliche (normnahe) Blutzuckereinstellung bei Diabetes mellitus
  • Maßnahmen zur Wiederherstellung bzw. Verbesserung der Durchblutungssituation: Dies kann mithilfe von Medikamenten zur Beeinflussung der Fließeigenschaften des Blutes versucht werden. Vielfach erbringen auch Gefäßoperationen zur Umgehung verschlossener Arterien oder bestimmte Verfahren zur Aufdehnung von Engstellen gute Erfolge
  • Lokale Wundbehandlung: Arterielle Ulzera sind oft sehr schmerzhaft, in hohem Maße infektionsgefährdet und nicht selten wird trotz aller Bemühungen eine Amputation erforderlich. Deshalb ist die lokale Wundbehandlung so früh wie möglich in die Hände von Spezialisten zu legen und erfolgt häufig stationär.

Wichtiger Hinweis: Bei der lokalen Wundbehandlung ist das grundsätzliche Risiko zu beachten, dass sich bei einem pAVK-Patienten bereits kleinste Läsionen, anfänglich gar nich beachtet oder bagatellisiert, innerhalb weniger Tage rasch ausbreiten können.

Sorgfältige Fußpflege kann Ihre Füße retten!

Fusspflege

Die nachfolgenden Tipps gelten sowohl für das arterielle Ulkus als auch das diabetische Ulkus:

  • Inspizieren Sie regelmäßig, möglichst täglich Ihre Füße, bei Bewegungseinschränkungen mithilfe eines Spiegels bzw. durch eine andere Person. Nach längeren Spaziergängen oder Wanderungen sollte die Fußinspektion am besten sofort erfolgen. Achten Sie besondersauf Hautverfärbungen, Druckstellen, Blasen, Nagelveränderungen, Hornhautverdickungen, trockene, rissige Haut, Ekzeme, Hühneraugen und kleinste Verletzungen.
  • Waschen Sie Ihre Füße täglich bei einer Wassertemperatur von 37-38 °C, Dauer max. 5 Minuten. Die Füße sind sorgfältig abzutrocknen, insbesondere die Zehenzwischenräume. Wegen der Infektionsgefahr niemals mit offenen Wunden baden!
  • Pflegen Sie ihre Füße mit harnstoffhaltigen, feuchtigkeitsspendenden Cremes.
  • Feilen Sie die Zehennägel gerade. Nur am Rande etwas abfeilen, um ein Einwachsen der Nägel zu vermeiden. Benutzen Sie keine schneidenden Werkzeuge und scharfe Raspeln. Hornhaut mit Bimsstein entfernen.
  • Lassen Sie Schwielen und Hühneraugen von medizinischem Fußpflegern entfernen. Achtung: Schwielen sind immer ein Zeichen für falsche Druckverteilung beim Gehen!
  • Laufen Sie wegen der Verletzungsgefahr nie barfuß oder in Strümpfen.
  • Benutzen Sie zum Erwärmen kalter Füße keine direkten Wärmequellen wie Wärmflaschen oder Heizkissen, sondern Wollsocken.
  • Vermeiden Sie alles, was Druckstellen an den Füßen verursachen könnte: Schuhe müssen am Vorfuß breit genug sein und dürfen keine drückenden Nähte oder scheuernde Innenfutter haben. Socken und Strümpfe sollten keine Nähte und beengende Gummizüge aufweisen.
  • Auch kleinere Verletzungen müssen desinfiziert und verbunden und frühzeitig dem Arzt gezeigt werden! Sie können sich nämlich rasch zu größeren, gefährlichen Wunden ausweiten.
  • Besonders wichtig: Ein Nagel- und Fußpilz muss frühzeitig und konsequent behandelt werden!