Blutkörperchen unter dem Mikroskop

Wundheilung – eine großartige
Reparaturleistung des Körpers

Die Wundheilung beruht auf der Fähigkeit von Haut und Körpergeweben zur Regeneration und Reparation. Dazu bedarf es einer wohlorganisierten Gemeinschaftsleistung verschiedenster Zellen, die ähnlich einem „Bautrupp“ in den unterschiedlichen Phasen der Wundheilung tätig werden. 

von  der Redaktion "Zuhause pflegen"

Wundarten

Unter einer Wunde versteht man im Allgemeinen eine Durchtrennung der Haut, die meist mit einem Verlust an Substanz verbunden ist. Tiefer gehende Schädigungen, die das Muskelgewebe, das Skelettsystem oder innere Organe betreffen, werden dagegen üblicherweise als Verletzung oder komplizierte Wunden bezeichnet. Nach ihrer Entstehung, aber auch nach Tiefe und Ausdehnung des Defektes werden Wunden in verschiedene Wundarten unterschieden:

Phasen der Wundheilung

Unsere Haut besitzt die wunderbare Fähigkeit, sich im Falle einer Verletzung selbst heilen zu können. Ist nur die oberste Hautschicht (Epidermis) verletzt, kann sie sich sogar narbenlos regenerieren, d. h. die neue Hautschicht unterscheidet sich in keiner Weise von der vorhergehenden. Sind jedoch tiefere Hautschichten geschädigt oder zerstört, muss Ersatzgewebe aufgebaut werden, um den Hautdefekt zu schließen. Das Ersatzgewebe bildet sich dann im Laufe der Zeit zur sichtbaren Narbe um. 
Darstellung vom Verlauf der Heilung einer Wunde in Kurven

Die erste Phase der Wundheilung, die sog. Reinigungsphase, beginnt mit der Blutstillung. Im Blut zirkulierende Thrombozyten (Blutplättchen) heften sich an die geschädigte Stelle an und bilden unter Mitwirkung verschiedener Gerinnungsfaktoren einen Pfropf zum provisorischen Wundverschluss.

Ist die lebenswichtige Aufgabe der Blutstillung erledigt, wandern Blut- und Abwehrzellen – vorrangig Leukozyten (weiße Blutkörperchen) – in das Wundgebiet ein. Sie beseitigen quasi in einem Fressvorgang (Phagozytose) eingedrungene Bakterien und zerstörte Zellen, was ihnen die Bezeichnung Phagozyten d. h. Fresszellen eingetragen hat. Die Phagozyten reinigen aber die Wunde nicht nur, sondern setzen auch Substanzen frei, die sozusagen den nächsten „Aufbautrupp" an Zellen auf den Plan rufen.

Ist die Wunde durch Phagozytose gereinigt, muss der Defekt mit Ersatzgewebe, dem sog. Granulationsgewebe, aufgefüllt werden. Dementsprechend wird diese zweite Phase als Granulationsphase bezeichnet. Der erste Schritt zum Gewebeaufbau – der etwa am 4. Tag nach der Wundentstehung einsetzt – ist die Einsprossung von Kapillaren (feinste Blutgefäße) in das Wundgebiet, um dessen Ernährung sicherzustellen. Der Gewebeaufbau wird dann maßgeblich von Fibroblasten (Bindegewebszellen) bewerkstelligt: Sie produzieren eine Vorstufe von Kollagen, das unter dem Einfluss verschiedener biochemisch wirksamer Substanzen wie z. B. Vitamin C zu festen Kollagenfasern ausreift.

  • Darstellung der Blutstillung einer Wunde in der Reinigungsphase
  • Darstellung der Regeneration einer Wunde mit Bakterien und zerstörten Zellen
  • Darstellung der Regeneration einer Wunde mit Leukozyten in der Reinigungsphase
  • Darstellung der Regeneration einer Wunde mit Einsprossung von Gefäßen
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Etwa zwischen dem 6. und 10. Tag beginnt mit der Ausreifung der kollagenen Fasern die sog. Epithelisierungsphase. Die Wunde zieht sich zusammen, das Granulationsgewebe wird zunehmend wasser- und gefäßärmer, festigt sich und bildet sich zu Narbengewebe um. Etwa gleichzeitig beginnen Zellen der obersten Hautschicht, die Epithelzellen, meist vom Wundrand her, mit der Überhäutung der Granulationsfläche. An das erste Vorwachsen schließt sich durch Übereinanderschieben der Zellen eine Verdickung des Epithels an, sodass es widerstandsfähiger wird. Die Wunde ist geschlossen.

  • Darstellung der Regeneration einer Wunde in der Granulationsphase
  • Darstellung der Regeneration einer Wunde zu Beginn der Epithelisierungsphase
  • Darstellung der Regeneration einer Wunde in der Epithelisierungsphase
  • Darstellung einer abgeschlossenen Wundheilung
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Arten der Wundheilung

Es gibt Schürfwunden, Stichwunden, Platzwunden, komplizierte Wunden, chronische Wunden – sie alle heilen jedoch nach dem gleichen Grundmuster der Wundheilungsphasen. Absolut unterschiedlich ist jedoch, in welchem Zustand die Wunde ist, wieviel Gewebe aufgebaut werden muss und welche äußeren und inneren Einflüsse vorliegen, die eine geordnete Wundheilung stören könnten. Dies hat natürlich Einfluss auf die Art der Wundheilung.

Chronische Heilungsverläufe

Die chronische Wunde ist dem Wesen nach eine sekundäre heilende Wunde, die durch Gewebeaufbau geschlossen werden muss. Benötigt dieser Vorgang mehr als sechs Wochen Zeit, wird die Wunde als chronisch eingestuft. Der Übergang von einer akuten Wunde zur chronischen Wunde kann dabei in jeder der Wundheilungsphasen erfolgen. Mehrheitlich entwickeln sich chronische Wunden jedoch aus fortschreitenden Gewebezerstörungen durch Gefäßerkrankungen unterschiedlichster Ursachen: beispielsweise durch venöse oder arterielle Durchblutungsstörungen (venöses oder arterielles Ulcus), Diabetes mellitus (diabetische Ulcera), lokale Druckschädigungen (Dekubitus) Strahlenschäden oder Tumoren. Hier erfahren Sie mehr über die Versorgung chronischer Wunden.