Pflegerin deckt älteren Mann zu

Welche Leistungen bietet die Pflegeversicherung?

Die Pflegeversicherung garantiert Millionen von Menschen eine humane Pflege im Alter. Sie ist aber keine Vollversicherung, sondern übernimmt je nach Pflegegrad nur einen bestimmten Teil der anfallenden Kosten durch Pflegegeld und Pflegesachleistungen.

von  der Redaktion "Zuhause pflegen"

Was Pflegebedürftige im Rahmen der häuslichen Pflege an Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen können, ist abhängig vom Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit, die seit 1. Januar 2017 die fünf neuen Pflegegrade definiert. Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu den monatlichen Geld- und Sachleistungen. 

Wichtig ist auch zu wissen: Für den Bezug von Leistungen der Pflegekasse ist es nicht erforderlich, dass der Pflegebedürftige in seinem eigenen Haushalt gepflegt wird. Ort der Pflege kann jeder andere Haushalt sein, in den der Pflegebedürftige aufgenommen wird.

Wer bekommt Pflegegeld?

Ältere Dame zählt Münzen

Der Pflegebedürftige kann Pflegegeld beziehen, wenn sichergestellt ist, dass die häusliche Pflege durch Angehörige oder andere ehrenamtlich tätige Pflegepersonen durchgeführt wird. Das Pflegegeld wird von der Pflegekasse direkt an den Pflegebedürftigen überwiesen. Damit kann der Betroffene frei über die Verwendung des Pflegegeldes entscheiden und kann es beispielsweise an die ihn betreuenden Angehörigen als Anerkennung weitergeben. Fast alle Pflegebedürftigen erhalten mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz ab dem 1. Januar 2017 höhere Leistungen.

Die Pflegegeldhöhe ist nach dem Pflegegrad gestaffelt. 

  • Pflegegrad 1: kein Pflegegeld, aber Leistungen nach § 28a SGB XI, wie Beratung, Hilfsmittel, aber auch die Gewährung des Entlastungsbetrags
  • Pflegegrad 2: 316 Euro
  • Pflegegrad 3: 545 Euro
  • Pflegegrad 4: 728 Euro
  • Pflegegrad 5: 901 Euro

Wird eine Verhinderungs- und Kurzzeitpflege in Anspruch genommen, wird das bisher bezogene Pflegegeld für jeweils bis zu vier Wochen in halber Höhe weitergezahlt.

Wo beantrage ich „Pflegegeld“?

Um das Pflegegeld zu erhalten, muss der Pflegebedürftige oder ein bevollmächtigter Dritter einen entsprechenden Antrag an die Pflegekasse stellen. Wenn eine Pflegebedürftigkeit vorliegt wird nach einer gesetzlichen Bearbeitungsfrist von fünf Wochen bewilligt. Das schließt gegebenenfalls auch Pflegesachleistungen mit ein.

Was ist eine „Pflegesachleistung“?

Pflegerin hilft Senior aus dem Bett

Damit der Pflegebedürftige eine Wahl hat, wie und von wem er gepflegt werden möchte, kann er sich auch für Pflegesachleistungen entscheiden. 

Bei der Entscheidung für Pflegesachleistungen unterstützt ein ambulanter Pflegedienst den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen bei der häuslichen Pflege. Das Leistungsangebot umfasst grundpflegerische Tätigkeiten (z. B. Körperpflege, Mobilisation und Lagerung), häusliche Krankenpflege (z. B. Verbandwechsel, Spritzen geben) Beratung / Betreuung bei allen Problemen, die bei der häuslichen Pflege auftreten können, aber auch Hilfestellung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Die vom Pflegebedürftigen bzw. den Angehörigen gewünschten Leistungen (auch als Pflegeeinsätze bezeichnet) werden dann von der Pflegekasse in bestimmten Höchstgrenzen bezahlt.

Die ambulanten Sachleistungen der Pflegeversicherung für die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes (Grundpflege, hauswirtschaftliche Versorgung und häusliche Betreuung) betragen monatlich

  • bis zu 689 Euro im Pflegegrad 2,
  • bis zu 1.289 Euro im Pflegegrad 3,
  • bis zu 1.612 Euro im Pflegegrad 4 und
  • bis zu 1.995 Euro im Pflegegrad 5.

Pflegeeinsätze für die häusliche Krankenpflege (nach § 37 SGB V) werden als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung nicht von der Pflegekasse, sondern von der Krankenkasse bezahlt.

Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Eine weitere Möglichkeit, wie Sie die notwendige häusliche Pflege auf die individuellen Bedürfnisse und Gegebenheiten abstimmen können, ist die Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistung. Ein Rechenbeispiel erläutert, wie das geht: Ein Pflegebedürftiger des Pflegegrads 3 nimmt Sachleistungen durch einen Pflegedienst im Wert von 649 Euro in Anspruch. Der ihm zustehende Höchstbetrag beläuft sich auf 1.298 Euro. Er hat somit die Sachleistungen zu 50 Prozent ausgeschöpft. Vom Pflegegeld in Höhe von 545 Euro stehen ihm damit ebenfalls noch 50 Prozent zu, als 272,50 Euro.

Der gute Tipp: Es ist nicht einfach, sich in dem komplizierten Regelwerk von Pflegegeld und Sachleistung zurechtzufinden. Am besten ist es deshalb, Sie lassen sich persönlich bei Ihrer Pflegekasse die finanziellen Leistungen und praktischen Hilfsangebote aufzeigen, die für Sie in Frage kommen und Ihnen Ihre Pflegearbeit erleichtern. Von Ihrer Pflegekasse erhalten Sie auch einen Überblick über die zugelassenen ambulanten Pflegedienste sowie Leistungs- und Preisvergleichslisten, damit Sie im Falle einer Sachleistung auch den geeignetsten Pflegedienst finden.

Was ist der "Entlastungsbetrag"

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz erhalten ab dem 1. Januar 2017 Pflegebedürftige aller Pflegegrade – also von Grad 1 bis Grad 5 –, die zuhause gepflegt werden, einen einheitlichen Entlastungsbetrag von bis zu 125 Euro pro Monat. Er ist keine pauschale Geldleistung, sondern kann nur zweckgebunden eingesetzt werden, z. B. zur (Ko-)Finanzierung einer teilstationären Tages- und Nachtpflege, einer vorübergehenden stationären Kurzzeitpflege oder von Leistungen ambulanter Pflegedienste. 

Der Entlastungsbetrag wird zusätzlich zu den sonstigen Leistungen gewährt, also nicht verrechnet. Nicht (vollständig) ausgeschöpfte Beträge können innerhalb des jeweiligen Kalenderjahres in die Folgemonate bzw. am Ende des Kalenderjahres in das darauffolgende Kalenderhalbjahr übertragen werden.