Ältere Frau lässt sich zum Thema Pflege beraten

Wo finden Sie noch Hilfe
bei der Pflege zu Hause?

Die Pflege zu Hause ist eine verantwortungsvolle und schwierige Aufgabe, bei der Sie alle verfügbaren Unterstützungsangebote wahrnehmen sollten. Die Pflegeberatung und Pflegekurse können dazu beitragen, körperliche und seelische Belastungen zu reduzieren und notwendiges Wissen aufzubauen.

von  der Redaktion "Zuhause pflegen"

Der Schlaganfall ihrer Mutter traf auch Frau M. wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“, der ihre Lebenssituation von heute auf morgen grundlegend veränderte. Noch war ihre Mutter in der Rehabilitationsklinik und die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie einige Alltagsfähigkeiten zurückgewinnt. Trotzdem ist abzusehen, dass sie sich nicht mehr allein versorgen kann und wahrscheinlich rund um die Uhr Hilfe braucht. Als einzige Tochter ist es Frau M. klar, dass sie nunmehr für ihre Mutter zu sorgen hat, was sie auch gerne übernimmt. Aber wo beginnen?

Nutzen Sie die Beratung für pflegende Angehörige

Seniorin und Ärztin im Gespräch

Es ist nicht einfach, sich in dem komplizerten Regelwerk der Pflegeversicherung zurechtzufinden. Vor allem nicht, wenn die Hilfe schnell organisiert werden muss und vieles zu bedenken ist. Dann unterstützt Sie bei dieser komplexen Aufgabe die Pflegeberatung. Seit 2009 haben Pflegebedürftige, die Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen oder beantragt haben, einen Rechtsanspruch auf individuelle, unabhängige und kostenlose Beratung. 

Die Beratung erfolgt durch qualifizierte Pflegeberaterinnen und Pflegeberater. Diese sind meist Mitarbeiter der Pflegekassen und verfügen über ein umfassendes Wissen, vor allem im Sozial- und Sozialversicherungsrecht. Die Pflegekassen sind gesetzlich verpflichtet, dem Antragsteller unmittelbar nach Eingang seines erstmaligen Antrags auf Leistungen der Pflegeversicherung, diesen auf das umfassende Beratungsangebot hinzuweisen und einen konkreten Beratungstermin anzubieten. Die Beratung ist dann innerhalb von zwei Wochen nach Antragseingang durchzuführen. Wünschen Sie jedoch eine unabhängige und neutrale Beratungstelle für pflegende Angehörige, erhalten Sie von der Pflegekasse einen Beratungsgutschein, der zu Lasten der Pflegeversicherung ebenfalls innerhalb dieser 2-Wochen-Frist einzulösen ist. Auf Ihren Wunsch hin, kommt der Pflegeberater auch zu Ihnen nach Hause. 

Wenn es in Ihrer Region einen Pflegestützpunkt gibt, können Sie auch diesen in Anspruch nehmen. Wo es einen Pflegestützpunkt gibt, erfahren Sie von Ihrer Pflegekasse. Die Pflegeberaterinnen und -berater stehen Ihnen aber nicht nur am Beginn einer Pflegetätigkeit zur Verfügung, sondern sind selbstverständlich immer für Sie da, wenn Sie Rat brauchen. 

Kurse für pflegende Angehörige: Lernen Sie, sicher zu pflegen

Frau bei Schulung

Die Pflegeversicherung bietet pflegenden Angehörigen noch eine weitere sehr wichtige Unterstützung an: nämlich die kostenlose Teilnahme an Pflegekursen, die mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz verpflichtend von den Pflegekassen angeboten werden müssen. Die wenigstens Pflegenden haben die Möglichkeit, sich ausreichend auf die Pflegetätigkeit vorzubereiten. Normalerweise ist man von heute auf morgen mit diesem neuen, schweren Aufgabengebiet konfrontiert und muss versuchen, es so gut wie möglich zu bewältigen. Dabei wird vom einzelnen oft ein Arbeitspensum erbracht, das nicht selten die Grenzen der persönlichen Belastbarkeit überschreitet und zu gesundheitlichen Schäden führt. Andererseits kann auch der Pflegebedürftige Schaden erleiden, wenn die Pflege durch mangelndes Wissen unzureichend ist. Sie sollten sich deshalb in den kostenlosen Pflegekursen, die von den Pflegekassen angeboten werden, einiges Fachwissen aneignen. Damit wird die Pflege für Sie leichter und für den Kranken sicherer. 

Die Pflegekurse für pflegende Angehörige werden zum Teil in Zusammenarbeit mit Verbänden der freien Wohlfahrtspflege, mit Volkshochschulen oder Bildungsvereinen angeboten. Sie bieten praktische Anleitungen und Informationen zu zentralen Themen der Pflege, geben aber auch Tipps und Ratschläge zu speziellen Pflegetechniken und -problemen. Darüber hinaus bieten diese Gruppenkurse pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen, die gegebenenfalls zu einem wichtigen emotionalen Rückhalt werden können.
Es werden aber auch Schulungen in den eigenen vier Wänden angeboten. Pflegeprofis kommen dazu zu Ihnen ins Haus, sodass Sie mit der Fachkraft ganz ungestört die individuellen Probleme erörtern und gemeinsam nach Lösungen suchen können. 

Einen kritischen Punkt in der häuslichen Pflege stellt oftmals die Situation dar, wenn Pflegebedürftige wieder nach Hause kommen – vom Krankenhaus, von einer Rehabilitationseinrichtung oder von der Kurzzeitpflege. Auch hier erhalten Sie Hilfe durch die Pflegeversicherung. Beispielsweise können Sie im Rahmen der sog. Überleitungspflege noch während eines stationären Aufenthaltes Beratung erhalten, wie es weitergehen soll. Die Fachkraft berät und unterstützt Sie aber auch zu Hause und hilft Ihnen, die Pflege auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Ambulanter Pflegedienst als Hilfe für pflegende Angehörige

Ambulante Pflegedienste, zumeist in sog. Sozialstationen organisiert, zählen schon lange zu den unentbehrlichen Einrichtungen, die entscheidend dazu beitragen, dass häusliche Pflege überhaupt funktionieren kann. Die Leistungen ambulanter Pflegedienste umfassen demzufolge auch alle Tätigkeiten, die notwendig sind, den Kranken fachgerecht zu pflegen und ihm ein würdiges Dasein zu ermöglichen.

Pflegerisch-medizinische Aufgaben ambulanter Pflegedienste
  • Durchführung der Grundpflege, beispielsweise Körperpflege und Anziehen, Betten und Lagern, Pflege und Reinigung von Zahnporthesen, Fuß- und Nagelpflege, Zubereitung von Mahlzeiten, Hilfe beim Essen
  • Durchführung der Behandlungspflege, beispielsweise Verbandwechsel, Wundbehandlung und andere medizinische Maßnahmen, die vom Arzt auf die Fachpflegekraft übertragen werden
  • Durchführung der aktivierenden Pflege, beispielsweise Beschäftigungs- und Bewegungstherapie, Atemgymnastik
  • Die Pflege und Begleitung Sterbender im Rahmen der Palliativpflege
Soziale Aufgaben ambulanter Pflegedienste
  • Herstellung von Kontakten zwischen Pflegebedürftigem und Arzt sowie Vorbereitung der Arztbesuche
  • Betreuung von psychisch veränderten Menschen (Demenzerkrankungen, Depressionen)
  • Hilfen zur Beibehaltung von Außenkontakten, besonders bei Alleinstehenden
  • Hilfen bei der Einrichtung von Telefon- und Besuchsdienst
  • Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen
  • Beratung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen bei pflegerischen Fragestellungen, Aktivierung und Schulung der Nachbarschaftshilfe sowie Beratung und Hilfe bei Verlegung ins Krankenhaus, Alten- oder Pflegeheim
  • Unterstützung bei der Vermittlung weiterer Hilfsdienste wie Essensbelieferung („Essen auf Rädern“) oder Organisation von Fahrdiensten und Krankentransporten
  • Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung, beispielsweise Einkaufen, Kochen, Wohnungsreinigung 
Pflegerin wäscht Seniorin die Hände

Träger für die ambulanten Pflegedienste sind vor allem kirchliche und freie Wohlfahrtsverbände wie zum Beispiel das Diakonische Werk der EKD, der Deutsche Caritasverband, der Deutsche paritätische Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt sowie die Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland. Mittlerweile gibt es aber auch viele private Pflegedienste. Sind sie zugelassen, können sie mit der Krankenkasse und dem Sozialamt genauso abrechnen wie die Sozialstationen. Die in Anspruch genommenen Leistungen, die von Pflegedienst zu Pflegedienst etwas unterschiedlich gestaltet sein können, werden als Pflegesachleistungen mit der zuständigen Pflegekasse direkt verrechnet.

Bei Antragsstellung zu Leistungen der Pflegeversicherung wie Pflegegeld und Pflegesachleistungen stellen Ihnen die Pflegekassen Listen mit den in Ihrem Wohnort zugelassen ambulanten Pflegediensten zur Verfügung. Sie finden Anschriften und Telefonnummern aber auch in Ihrem örtlichen Telefonbuch. Noch besser ist, Ihr Hausarzt bzw. der Hausarzt des Pflegebedürftigen nennt Ihnen eine Sozialstation, mit der er bevorzugt zusammenarbeitet. Dies gewährleistet, dass Sie auch qualitativ gute Pflegeleistungen erhalten. 

Hinweis: Für die Inanspruchnahme der Dienste von Sozialstationen spielt es keine Rolle, welcher Konfession/Religionsgemeinschaft Sie angehören. Sie brauchen auch kein Mitglied in einem der Trägervereine zu sein.

Was ist zu tun, wenn Ihnen alles zuviel wird?

Frau hält sich erschöpft den Kopf

Oberstes Gebot ist: Gestehen Sie sich rechtzeitig ein, überlastet zu sein. Es hat keinen Sinn, die Heldin oder den Helden zu spielen und sich bis zum Zusammenbruch aufzuopfern. Dies ist ganz besonders wichtig für ältere Menschen, die ihren Ehepartner oder ihre hochbetagten Eltern pflegen. Denken Sie immer daran: Ihrem Pflegebedürftigen kann es nur gut gehen, wenn es auch Ihnen gut geht.

Im nächsten Schritt sollten Sie versuchen, zu ergründen, was Sie am meisten belastet, beispielsweise:

  • die körperliche Arbeit und der „Dienst rund um die Uhr“, der kaum mehr ein Eigenleben zulässt
  • Eigenarten des Pflegebedürftigen, die ein gutes Miteinanderumgehen erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen
  • emotionale Konflikte im Zusammenhang mit dem Pflegebedürftigen, die im Falle der Elternpflege nicht selten bis in die Kindheit zurückreichen
  • Konflikte mit der weiteren Familie – Ehemann, Kinder – die beispielsweise mit der Einbeziehung des Pflegebedürftigen in die Familie nicht klar kommen
  • Stress durch die Mehrfachbelastung Beruf – Familie – Pflegetätigkeit
  • Stress am Arbeitsplatz durch eventuellen Karriereknick
  • finanzielle Probleme, weil die Geldleistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen

Wird Ihnen bewusst, was Ihnen die größten Probleme bereitet, ist es einfacher, sich gezielt nach Hilfe umzusehen. Meist lösen sich dann im Zusammenhang auch andere Belastungen.
Der Hausarzt ist bei allen gesundheitlichen Problemen Ihr wichtigster Ansprechpartner. Er kennt Ihre eigene Krankengeschichte und kann die Auswirkungen körperlicher und seelischer Belastungen durch Ihre Pflegetätigkeit gut beurteilen. Nicht selten haben pflegende Angehörige sogar denselben Hausarzt wie ihr zu pflegender Angehöriger. Dies erhöht die Chancen, dass Ihr Arzt einen Gesamteindruck Ihrer Probleme erhält und Ihnen gezielt helfen kann, gegebenenfalls auch dadurch, dass er den Pflegebedürftigen selbst behandelt. 


Erholung und Urlaub für pflegende Angehörige

Bei größeren psychischen Belastungen kann der Hausarzt auch eine psychotherapeutische Behandlung oder eine psychosomatische Reha-Kur für pflegende Angehörige befürworten, um den Druck von Ihnen zu nehmen.

Auch die Pflegekasse kann durch ihr breites Leistungsangebot bei vielen Problemen helfen. Sie kann Ihnen beispielsweise über den Weg der Verhinderungspflege zu einem Erholungsurlaub verhelfen. Alternativ sorgen auch die teilstationäre Tages- und Nachpflege oder die Kurzzeitpflege für eine Entlastung des Pflegenden. Des Weiteren kann Sie dabei behilflich sein, wenn es um die Vereinbarkeit Beruf und Pflege geht oder darum, die finanzielle Situation zu erleichtern.

Wertvoll sind auch „Außenstehende“ wie Personen der Nachbarschaftshilfe, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ambulanter Dienste, Personen einer Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige oder Freunde und Bekannte. Sie können vielfach sehr gut bei der Problembewältigung helfen, weil sie in die Familienangelegenheiten nicht emotional verstrickt sind. Und manchmal tut es einfach nur gut, wenn man jemanden hat, der verständnisvoll zuhören kann.