Seniorin und junge Frau trinken Orangensaft zusammen

Sie sind nicht allein
bei der Pflege zu Hause

Die Pflege zu Hause ist oft mit einschneidenden Veränderungen und Belastungen für Sie selbst und den Pflegebedürftigen verbunden. Deshalb finden Sie hier wichtige Hinweise, wo Sie Unterstützung erhalten, welche Pflegegrade es gibt und mit welcher finanziellen Unterstützung Sie rechnen können.

von  der Redaktion "Zuhause pflegen"

Sie stehen vor der Entscheidung oder haben sich bereits entschieden, einen Angehörigen zu Hause zu pflegen? Damit haben Sie aus Liebe, Familien- und Gemeinsamkeitssinn eine Aufgabe übernommen, die menschlich für beide Seiten sehr befriedigend sein kann und viel zur Lebensqualität des Pflegebedürftigen beiträgt.

Auch der Staat lässt Sie nicht allein. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit sind zurzeit rund 2,6 Millionen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen auf Pflege angewiesen. In den kommenden eineinhalb Jahrzehnten wird sich die Zahl, Schätzungen zur Folge, um knapp eine Million Menschen vergrößern, sodass im Jahr 2030 rund 3,5 Millionen Menschen auf pflegerische Hilfe angewiesen sein werden. 

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe
Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit
"Die Bundesregierung hat das Thema Pflege zu einem wichtigen Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht."

Mit zwei Pflegestärkungsgesetzen sorgt sie für spürbare Verbesserungen in der pflegerischen Versorgung. Mit dem Ersten Pflegestärkungsgesetz, das am 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist, wurden die Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen spürbar ausgeweitet. Hier erfahren Sie mehr zur finanziellen Absicherung von Pflegenden. 

Die neuen Regelungen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) gelten ab dem 1. Januar 2017. Zum einen wird ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt, zum anderen werden die Begutachtungsinstrumente geändert, mit denen zukünftig die individuelle Pflege- und Lebenssituation von Menschen, die einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt haben, besser erfasst werden kann. Ziel ist es, Pflegebedürftige individueller zu versorgen und ihre Selbstständigkeit im Alltag nachhaltig zu stärken. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der besseren Einstufung von Menschen mit Demenz.

Definition der Pflegebedürftigkeit

Grundsätzlich kann Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes in allen Lebensabschnitten auftreten. Die Definition der Pflegebedürftigkeit lautet: „Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung im Bereich der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate – in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen."

Welche Pflegegrade gibt es?

Älterer Herr mit Ärztin im Gespräch über Pflegestufen

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz ersetzen fünf neue Pflegegrade die bisherigen drei Pflegestufen. Damit erhalten alle Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind. 

Die neuen Pflegegrade orientieren sich nicht mehr am Pflegebedarf und damit am Zeitaufwand für die Pflege, sondern am Grad der Selbstständigkeit. 

  • Pflegegrad 1 – geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeiten oder der Fähigkeiten.
  • Pflegegrad 2 – erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeiten oder der Fähigkeiten.
  • Pflegegrad 3 – schwere Beeinträchtigungen der Selbstständigkeiten oder der Fähigkeiten.
  • Pflegegrad 4 – schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeiten oder der Fähigkeiten.
  • Pflegegrad 5 – schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeiten oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

Die Überleitung von rund 2,7 Millionen Pflegebedürftigen in die neuen Pflegegrade erfolgt automatisch ohne eine neuerliche Begutachtung. Für Personen, die bereits im Jahr 2016 Leistungen der Pflegeversicherung bekamen, gibt es einfache Überleitungsregelungen. So wird bei den vorwiegend körperlich beeinträchtigten Pflegebedürftigen aus Pflegestufe I (2016) automatisch Pflegegrad 2 (2017) und aus Pflegestufe II (2016) automatisch der Pflegegrad 3 (2017).

Bei Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz – z. B. Menschen mit einer demenziellen Erkrankung – wird beim Übergang „plus 2“ gerechnet. In dieser Gruppe verwandelt sich beispielsweise die Pflegestufe I (2016) automatisch in Pflegegrad 3 (2017) und Pflegestufe III (2016) automatisch in Pflegegrad 5 (2017).

Für alle Menschen, die 2017 pflegebedürftig werden und erstmals einen Antrag auf die Leistungen der Pflegeversicherungen stellen, gilt das neue Begutachtungsverfahren. In den Pflegegrad 1 werden dabei künftig erstmalig Menschen eingestuft, die noch keine erheblichen Beeinträchtigungen haben, aber schon in gewissem Maß – zumeist körperlich – eingeschränkt sind.

Pflegestufen und Pflegegrade im Vergleich

Bei Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen gilt die Regel „+1“. Bei Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz gilt die Regel „+2“.
In Pflegestufen bis 2016 In Pflegegraden ab 2017 In Pflegestufen bis 2016 In Pflegegraden ab 2017
I 2 0 2
II 3 I 3
III 4 II 44
III (Härtefall) 5 III 5

Wie kann man einen Pflegegrad beantragen?

Antrag auf Erteilung einer Pflegestufe
  • Um Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, muss ein Antrag auf Pflegegrad bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Pflegekasse befindet sich bei der Krankenkasse.
  • Die Beantragung des Pflegegrades kann auch ein Familienangehöriger, Nachbar oder guter Bekannter übernehmen, wenn er oder sie dazu bevollmächtigt wird.
  • Sobald der Antrag bei der Pflegekasse gestellt wurde, beauftragt diese den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder andere unabhängige Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. 
  • Die gesetzlich vorgegebene Bearbeitungsfrist für Anträge auf Pflegeleistungen beträgt fünf Wochen.
  • Bei einem Aufenthalt im Krankenhaus oder in einer stationären Rehabilitationseinrichtung, in einem Hospiz oder während einer ambulant-palliativen Versorgung ist die Begutachtung durch den MDK oder andere unabhängige Gutachter innerhalb einer Woche durchzuführen, wenn dies zur Sicherstellung der weiteren Versorgung erforderlich ist. 

Sind die Voraussetzungen eines Pflegegrads erfüllt, stehen dem Pflegebedürftigen monatliche Pflegegeld- und Sachleistungen zu.

Monatliche Leistungsansprüche 2017 im Überblick

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wächst die Zahl der Versicherten, die Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben, da die Unterstützung deutlich früher ansetzt. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass jährlich etwa 2,4 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. 

Geldleistung ambulant,
in Euro
Sachleistung ambulant,
in Euro
Entlastungs- betrag ambulant (zweckge- bunden),
in Euro
Leistungs- betrag vollstationär,
in Euro
Pflegegrad 1 - - 125 125
Pflegegrad 2 316 689 125 770
Pflegegrad 3 545 1.298 125 1.262
Pflegegrad 4 728 1.612 125 1.775
Pflegegrad 5 901 1.995 125 2.005

Was ist die Voraussetzung für Leistungsansprüche?

Um Pflegeleistungen voll in Anspruch nehmen zu können, muss der Versicherte in den letzten Jahren vor der Antragstellung zwei Jahre als Mitglied in die Pflegekasse eingezahlt haben oder familienversichert gewesen sein.

Hier erhalten Sie detaillierte Informationen zum Anspruch auf Pflegegeld.