Pflegeperson macht das Bett einer pflegebedürftigen Seniorin

Was Sie über Hygiene
in der Pflege wissen sollten

Das Alter bringt auch ein höheres Risiko mit sich, an Infektionen zu erkranken. Schuld daran sind die natürlichen Alterungsvorgänge, aber auch die Erkrankungen, die die Abwehrkräfte schwächen. Um Schaden vom Pflegebedürftigenund Pflegenden abzuwenden, gehört die Beachtung der Hygienevorschriften in der Pflege zur täglichen Routine.

von  der Redaktion "Zuhause pflegen"

Seit einem halben Jahr ist ihr Mann nun schon bettlägerig und das Atmen geht gar nicht gut. Frau K. sorgt sich auch, weil Ihr Mann kaum Schleim abhustet. Und seit zwei Tagen hat sie den Eindruck, dass er Fieber hat, obwohl das Thermometer nur erhöhte Temperatur anzeigt. Vorsichtshalber wird Sie den Arzt verständigen. Dieser soll abklären, ob die Lungen frei sind oder ob es eine Lungenentzündung ist. Denn Frau K. weiß, dass das Erkennen von Infektionskrankheiten im Alter nicht so einfach ist, weil die Anzeichen für eine Infektion oft nicht eindeutig sind und leicht übersehen werden können. Sie selbst wird auf jeden Fall bei der Pflege einen Mundschutz tragen, weil sie auch etwas erkältet ist, und ihren Mann nicht zusätzlich anstecken will.

Was versteht man unter Hygiene in der Pflege?

Pflegebedürftige Menschen sind in der Mehrzahl abwehrgeschwächte alte Menschen, die ein hohes Risiko tragen, an Infektionen zu erkranken. Deshalb ist es auch in der häuslichen Pflege eine wichtige Aufgabe, Infektionen zu verhindern. Dies kann jedoch nur zufriedenstellend gelöst werden, wenn einige grundlegende Hygieneregeln in der Pflege eingehalten werden. Dazu zählt zuallererst die persönliche Hygiene des Pflegebedürftigen, die durch eine gute Grundpflege erreicht werden kann. Die fast wichtigste Maßnahme der persönlichen Hygiene des Pflegenden ist eine gewissenhafte Händehygiene, um Keimübertragungen zu vermeiden. Und auch die Raum- und Wäschehygiene dient dazu, die Umgebung des Pflegebedürftigen so keimarm wie möglich zu halten. Was sich alles hinter dem Begriff „Hygiene“ und den entsprechenden Maßnahmen verbirgt, ist nachfolgend kurz zusammengefasst.

Wichtiges rund um das Infektionsgeschehen

Kranker Senior mit Taschentuch

Krankmachende (pathogene) Mikroorganismen sind als Infektionserreger die kleinsten und zahlreichsten Feinde des Menschen – und für das menschliche Auge leider als „Schmutz“ nicht erkennbar. Das macht ihre Bekämpfung so schwierig und erfordert viel Disziplin im Hinblick auf die Hygiene.

Aber was ist eigentlich eine „Infektion“? Unter einer Infektion versteht man das Eindringen von Mikroorganismen wie beispielsweise Bakterien, Viren oder Pilzen in den Körper, wo sie sich festsetzen und aktiv vermehren. Je nachdem, wie viele Erreger eingedrungen sind (Erregerdosis), wie hoch ihr krankmachendes Potenzial und ihre Infektionskraft (Pathogenität und Virulenz) ist, wo sie sich im Körper ansiedeln und schließlich über welche Abwehrkräfte der befallene Mensch verfügt, kann die Infektion „stumm“, d. h. ohne Krankheitserscheinungen verlaufen oder aber sich als „Infektionskrankheit“ zeigen. Diese ist meist begleitet von typischen Anzeichen (Symptomen) wie beispielsweise einer Entzündung mit Rötung, Schwellungen und Schmerzen, Eiter, Fieber, Leukozytose (erhöhte weiße Blutkörperchen), Erbrechen, Durchfall oder Hautveränderungen.

Die Infektion(skrankheit) kann lokal begrenzt sein, d. h. die Infektionserreger verbleiben im Bereich der Eintrittspforte, kann sich aber im weiteren Verlauf durchaus in den ganzen Körper ausbreiten. Ein Beispiel hierfür ist die Wundinfektion, die zunächst nur lokal besteht. Wird sie jedoch nicht entsprechend behandelt kann sie sich rasch bis zur lebensbedrohlichen Sepsis (Blutvergiftung) ausweiten.

Bei der generalisierten Infektion, die auch als systemische Infektion oder Allgemeininfektion bezeichnet wird, dringen die Erreger über die Lymph- und Blutbahnen in Gewebe und Organe vor, sodass von Anfang an der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen ist. 

Im Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen ist auch der Begriff „Kontamination“ zu klären. Kontamination bezeichnet die Verunreinigung bzw. die bloße Besiedelung von Personen, Gegenständen, Räumen, Wasser usw. mit Mikroorganismen. So sind beispielsweise Wunden immer bakteriell kontaminiert, aber damit nicht zwangsläufig infiziert. Zu einer klinischen Infektion kommt es erst, wenn die Bakterien tiefer in die Wunde und das umgebende Gewebe eindringen, sich dort vermehren und durch ihre Bakteriengifte (Toxine) Entzündungsreaktionen hervorrufen.

Infektionsquellen

Als wichtigste Infektionsquelle gilt der Mensch selbst. Dabei können offensichtlich erkrankte Personen, als Kranke nicht erkennbare Personen und auch gesunde Personen Keimausscheider und Keimüberträger sein. 

Häufig gelangen die Keime mit den Körperausscheidungen – Sputum, Stuhl, Urin, Eiter usw. – in die Umgebung. Je nach Art des Erregers kann die Ansteckungsgefahr dabei teils auf nur wenige Tage begrenzt sein, teils erstreckt sie sich über die gesamte Dauer der Erkrankung, kann aber auch wochen- oder monatelang bestehen wie etwa bei der Tuberkulose. 

Neben dem Menschen stellen auch Tiere zu beachtende Infektionsquellen dar. Dabei werden bei einigen oft besonders schweren Infektionskrankheiten die Erreger nicht ausgeschieden, sondern durch Zwischenwirte wie Mücken, Läuse oder Zecken auf den Menschen übertragen. Große Bedeutung als Infektionsquellen haben auch die sog. unbelebten Erregerreservoire wie Wasser, Abwässer, Erdreich, Staub, Lebensmittel usw.

Übertragungswege

Ältere Hand gibt jüngerem die Hand

Häufige Übertragungswege sind die Schmier- und Kontaktinfektion beispielsweise durch Händekontakt und die aerogene Übertragung durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten oder Niesen oder auch über Aerosole, die bei einem schwallartigen Erbrechen entstehen. Oral kann eine Ansteckung durch kontaminierte Nahrungsmittel oder Flüssigkeiten erfolgen, hämatogen über die Blutbahn, zum Beispiel bei Bluttransfusionen oder invasiven Behandlungsmaßnahmen wie Katheter legen, sowie sexuell bei direktem Schleimhautkontakt.

Eintrittspforten für die Erreger sind alle natürlichen Körperöffnungen sowie die verschiedensten Haut- und Schleimhautverletzungen wie Wunden, Insektenstiche oder Einstichstellen von Injektionen. Es ist wichtig zu wissen, dass die Erreger über kleinste, vom Betroffenen unter Umständen gar nicht bemerkten Läsionen eindringen können.

Unterscheidungsmerkmale nach Erregerherkunft

Für vorbeugende Schutzmaßnahmen, aber auch für die Behandlung ist die Unterscheidung der Infektionen nach Herkunft der Erreger hilfreich:

Bei der sog. endogenen Infektion stammen die Erreger aus der körpereigenen Flora, beispielsweise aus der Darm- und Hautflora. Der Begriff „endogen“, kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „im Inneren erzeugt“. An ihrem angestammten Platz sind die Bakterien aus der natürlichen Besiedelung, die bei den verschiedensten (Stoffwechsel-)Vorgängen im Körper eine wichtige Rolle spielen, normalerweise harmlos. Geraten sie aber an einen anderen Standort, beispielsweise in eine Wunde, können sie am veränderten Standort schwere Infektionen auslösen. 

Stammen die Erreger aus der Umgebung, spricht man von einer exogenen Infektion (exogen = von außen auf den Körper einwirkend). Da die Infektionsquellen in der Umgebung unüberschaubar zahlreich sind, ist die exogene Infektion zugleich die häufigere Form. 

Als nosokomiale Infektionen, d. h. im Krankenhaus erworbene Infektionen, werden solche bezeichnet, die im zeitlichen Zusammenhang mit dem Aufenthalt in einem Krankenhaus oder einer anderen medizinischen bzw. pflegerischen Einrichtung des Gesundheitswesens stehen. Bei nosokomialen Infektionen ist zunehmend mit dem Auftreten von Problemkeime zu rechnen, die gegen Antibiotika resistent sind. D. h. Infektionen können durch Antibiotika nicht mehr bekämpft werden, weil sich Bakterien über verschiedene „Zellumbauten“ Widerstandskraft gegen die abtötende Wirkung von Antibiotika erworben haben. Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien sind hochgefährlich und lebensbedrohend.

Die praktische Durchführung von Hygienevorschriften in der Pflege

Hygiene und die Vorstellung von „Sauberkeit“ wird normalerweise als etwas sehr Persönliches empfunden. Die eigenen Vorstellungen und Gewohnheiten – in langen Jahrzehnten entwickelt – werden nicht so schnell über Bord geworfen. Damit könnte es für Sie mitunter recht schwierig werden, den Pflegebedürftigen von neuen Maßnahmen zu überzeugen und ihn zur Einhaltung der verschiedenen Hygieneregeln zu bewegen. 

Die persönliche Hygiene des Pflegebedürftigen besteht vor allem in einer umfassenden Grundpflege, die ganz besonders die Gesunderhaltung der Haut zum Ziel hat. Dabei sind alte Menschen, die sich zum Teil noch selbst versorgen können, besonders sorgfältig zu überwachen. Durch die körperliche Behinderung oder zunehmende geistige Verwirrtheit neigen sie häufig dazu, sich zu vernachlässigen. Hier erfahren Sie mehr über die Körperpflege und die Hautpflege von Pflegebedürftigen.

Pflegeperson desinfiziert sich die Hände

Für die persönliche Hygiene des Pflegenden und seinen Schutz ist folgendes zu beachten: 

  • Die Händehygiene in der Pflege: Vor und nach jeder Pflegearbeit sind die Hände zu waschen bzw. mit einem gut hautverträglichen Händedesinfektionsmittel zu desinfizieren. Die Händedesinfektion ist übrigens für die Haut besser verträglich als häufiges Waschen, weil Wasser die Haut auslaugt. Nach jedem Waschen oder Desinfizieren sind die Hände sorgfältig einzucremen, damit sie gesund bleiben. Dies ist deshalb so wichtig, weil sich in rauer und rissiger Haut leicht Keime ansiedeln. Die Fingernägel sind kurz zu halten, um ebenfalls eine Keimansiedlung darunter zu vermeiden. 
  • Lange Haare werden während der Pflege am besten zurückgebunden. 
  • Die Bekleidung, die während der Pflegearbeit getragen wird, sollte kochfest sein. Durch das Auskochen wird eine relativ hohe Keimfreiheit gewährleistet, weil eine Vielzahl von Keimen bei Temperaturen um 90 °C nicht überleben. Da normale Bekleidung jedoch häufig nicht kochfest ist, wird als hygienischer Schutz ein kochfester Kittel oder zumindest eine Schürze empfohlen. Alternativ können natürlich auch Einwegkittel oder Einmalschürzen verwendet werden.
  • Die Schuhe sollten so beschaffen sein, dass sie zum einen guten, sicheren Stand bieten, um die Wirbelsäule zu schonen, und zum anderen gut zu putzen sind.
Ausgebildete Pflegerin und Pflegeperson beziehen das Krankenbett

Auch die Sauberkeit in der Umgebung gehört zu den Grundlagen der Hygiene in der Pflege. Die Raum-und Wäschehygiene dient dazu, die Umgebung des Kranken so keimarm wie möglich zu halten. Aber keine Angst vor Zusatzarbeiten: Die meisten hygienischen Maßnahmen in der Pflege entsprechen den ganz normalen täglichen Aufräumarbeiten. 

  • Der Wohnraum des Pflegebedürftigen ist mehrmals täglich gut zu lüften.
  • Kann der Fußboden feucht gewischt werden, sollte hin und wieder ein Flächendesinfektionsmittel (stets die Herstellerangaben beachten) in das Wischwasser gegeben werden. Ein Teppichboden ist täglich zu saugen.
  • Zum Staubwischen ein feuchtes Tuch benutzen, um Staubaufwirbe­lungen zu vermeiden.
  • Anfallender Abfall bzw. Schmutzwäsche wird nach Beendigung der Pflegearbeit sofort aus dem Zimmer entfernt.
  • Die Bettwäsche sollte so oft wie möglich gewechselt werden. Bei bestehenden Infektionskrankheitenist auch die Verwendung von Einmaldecken und -kissen in Erwägung zu ziehen, die nach der Erkrankung entsorgt werden. Wäsche und Bettwäsche von Infektionskranken ist getrennt von der übrigen Haushaltswäsche zu waschen.
  • Besonders kritische Keimquellen sind Handtücher und vor allem Waschlappen, weil sich Bakterien in den feuchten Tüchern hervorragend vermehren können. Für eine Ganzkörperwaschung sind immer zwei Waschlappen erforderlich (einer für das Gesicht und den Körper, einer für den Genitalbereich), die nach jedem Benutzen ausgekocht werden.
  • Liegen beispielsweise ekzematöse Hauterkrankungen, Pilzbefall oder Harn- und Stuhlinkontinenz vor, empfiehlt sich dringend die Verwendung von Einmalwaschlappen. Der Pflegende sollte zu seinem eigenen Infektionsschutz hier auch nicht auf das Tragen von Einmalhandschuhen verzichten.
  • Nachttöpfe, Stechbecken, Urinflaschen, Waschschüsseln usw. sind nach Gebrauch sofort gründlich zu reinigen und ggf. zu desinfizieren. Im Infektionsfall wird auch die Toilette bzw. das Waschbecken nach der Benutzung desinifziert, falls der Patient zur Toilette und zum Waschen aufstehen kann.
  • Bei allen Hantierungen mit Stechbecken und Urinflasche sowie bei Desinfektionsarbeiten soll der Pflegende zum Eigenschutz ebenfalls Einmalhandschuhe tragen. 
  • Für das Auffangen des Sputums sollten ausschließlich Einmalgefäße verwendet werden, die in undurchlässige Plastiktüten eingepackt wer­den und dann erst in den Müll wandern. Das Gleiche gilt für Einmalta­schentücher oder sonstige Spucktücher, die nicht offen herumliegen sollen. Sie können in einer verschließbaren Plastiktüte mit Kordelzug, zum Beispiel in einem leeren Wattebeutel, gesammelt werden.
  • Ein wirksamer Schutz gegen eine Ansteckung durch Tröpfcheninfektion ist das Tragen eines Mundschutzes. Leider wird das Tragen eines Mundschutzes aber oft als lächerlich empfunden, womit jedoch eine reelle Chance zur Verhinderung der Ansteckung vertan wird. Insbesondere sollte die Maßnahme immer dann ergriffen werden, wenn der Pflegende selbst an Schnupfen und Erkältung leidet, denn für den geschwächten Patienten kann jede Erkältung zu einer ernsthaften Bedrohung werden.